Die Angst vor Veränderung

 
 

Angst vor Veränderung im Job und warum du bleibst, obwohl du unglücklich bist

Morgens aufwachen und dieses Gefühl. Wieder. Du weißt, dass irgendetwas nicht stimmt. Nicht seit gestern. Schon seit Monaten. Vielleicht Jahren.

Und trotzdem gehst du hin. Du sitzt an deinem Schreibtisch, öffnest deine Inbox und dieser Gedanke: Was mache ich eigentlich hier ?

Ich habe das selbst erlebt. Jahre in einem Job, der sich falsch angefühlt hat und trotzdem bin ich geblieben. Ich habe mir eingeredet, dass es zu spät sei. Dass es nicht so schlimm sei. Irgendwo tief drin wusste ich: Das ist eine Lüge, die ich mir selbst erzähle.

Falls du dich gerade in diesen Zeilen wiederfindest, dieser Artikel ist für dich. Nicht weil ich dir sage, dass du sofort kündigen sollst. Sondern weil ich verstehe, warum Angst vor Veränderung einen lähmen kann.

Warum wir lieber im bekannten Leid bleiben

Warst du schon mal in einer Beziehung, bei der du tief im Inneren wusstest: Das ist nicht das, was ich will. Eigentlich müsste ich Schluss machen. Und trotzdem bist du geblieben. Weil du Angst hattest, allein zu sein. Weil du dachtest: na ja, besser eine Partnerin als gar keine*r. Weil Schluss machen bedeutet hätte, aktiv zu werden, eine Entscheidung zu treffen, etwas Vertrautes loszulassen auch wenn dieses Vertraute dich nicht glücklich gemacht hat.

Also zurück zu deinem Job. Du weißt, du willst da weg. Aber sich zu verändern erfordert Mut, Entscheidungen, konkretes Tun. Und du fühlst dich wie gelähmt. Also beißt du die Zähne zusammen. Erträgst den Stress, die schlechte Stimmung, die nervigen Kolleg*innen, die schwierige Chefin oder den schwierigen Chef, die Arbeitszeiten. Nicht weil du das alles okay findest sondern weil der Gedanke was du denn stattdessen machen willst, ziemlich überfordert. Weil Veränderung im Moment mehr Energie kostet, als du übrig hast.

Und dahinter steckt meistens eines: Angst vor Veränderung.

Bekanntes Leid ist seltsam bequem. Das klingt paradox, aber es stimmt. Der falsche Job, die falschen Aufgaben, das falsche Umfeld all das ist zumindest vertraut. Du weißt, was dich morgens erwartet. Du kennst die Abläufe, die Kolleg*innen, die kleinen Rituale. Und unser Gehirn – das alte, evolutionär geprägte Gehirn – liebt Vertrautes. Vertrautes bedeutet: sicher. Unbekanntes bedeutet: Gefahr.

Das Problem ist: Solange das bekannte Leid nicht laut genug schreit, bleibt man. Nicht weil man feige ist. Sondern weil Veränderung echte Energie kostet und Unsicherheit sich anfühlt wie ein freier Fall, für den man noch keinen Boden in Sicht hat.

"Veränderung ist am Anfang schwer, in der Mitte chaotisch und am Ende wunderschön."

Angst vor dem Jobwechsel: Was wirklich dahintersteckt und warum du nicht schwach bist

Als ich vor vielen Jahren in meinem falschen Job saß, habe ich mir lange eingeredet, dass ich einfach nicht mutig genug bin. Dass andere das irgendwie hinkriegen. Und ich nicht.

Unser Gehirn ist buchstäblich darauf ausgelegt, Verluste stärker zu gewichten als Gewinne. Psycholog*innen nennen das Verlustaversion. Ein Beispiel, das ich ziemlich treffend finde: Stell dir vor, du findest auf der Straße 50 Euro. Du freust dich, steckst das Geld ein, läufst weiter. Jetzt stell dir vor, du greifst abends in deine Jackentasche und die 50 Euro sind weg. Der Ärger darüber ist ziemlich sicher größer als die Freude, die du in der Früh bei deinem Fund verspürt hast.

Beim Jobwechsel ist das genauso. Die Aussicht, etwas Sicheres zu verlieren, das Gehalt, die Routine, den Status, wiegt schwerer als die Hoffnung auf etwas Besseres. Und dann kommt noch dieser eine Satz dazu, der alles noch schwieriger macht: Ich weiß ja noch nicht mal, was ich eigentlich will.

J.K. Rowling war mit 30 Jahren geschieden, alleinerziehende Mutter, klinisch depressiv und lebte von staatlicher Unterstützung. Genau in diesem Tiefpunkt begann sie zu schreiben. Das Harry-Potter-Manuskript schickte sie an zwölf Verlage und alle lehnten ab. Alle zwölf. Und sie schickte es trotzdem weiter. Ein Jahr später bekam sie grünes Licht. Heute ist die Reihe ein weltweites Phänomen.

Ihre Geschichte zeigt nicht, dass man einfach durchhalten soll. Diesen Ratschlag bekommt man schon genug und darum geht es hier nicht. Sie zeigt etwas anderes: Sondern wenn man an sich glaubt und seinen Weg weitergeht, dann öffnen sich auch am Ende Türen. Und das man sich nicht von Rückschlägen entmutigen lassen soll.

"Ich habe gelernt, dass Mut nicht die Abwesenheit von Furcht ist, sondern
der Triumph darüber." - Nelson Mandela

Komfortzone verlassen und persönlich wachsen aber wie, wenn man nicht mal weiß wohin?

Diesen Satz hast du bestimmt schon hundert Mal gehört. Auf Instagram, in Motivationskalendern. Und ja, er stimmt. Aber weißt du, was mich daran früher so wahnsinnig gemacht hat? Er sagt, wo Wachstum passiert. Aber nicht, wie man da hinkommt. Vor allem nicht, wenn man überfordert und erschöpft ist und noch nicht mal weiß, in welche Richtung man überhaupt gehen soll.

Komfortzone klingt so gemütlich. Dabei ist sie das oft gar nicht. Sie ist einfach nur bekannt. Und bekannt fühlt sich halt sicherer an auch wenn es bedeutet, jeden Montag mit einem Kloß im Magen aufzuwachen, frustriert sich durch den Arbeitsalltag zu hangeln und keinen Sinn mehr in der eigenen Arbeit zu sehen.

Das eigentlich Schwierige an der Komfortzone ist nicht, dass man nicht weiß, dass man raus sollte. Es ist die Unsicherheit auf der anderen Seite. Was kommt da? Wer bin ich außerhalb dieser Rolle, die ich so lange gespielt habe? Was, wenn ich die falsche Entscheidung treffe?

"Wir müssen bereit sein, uns von dem Leben zu lösen, das wir geplant haben, damit wir das Leben finden, das auf uns wartet." - Joseph Campbell

Angst vor Veränderung überwinden: Warum das Unbekannte kein Stoppschild ist

Die meisten Menschen interpretieren Angst als Stoppschild. Als das Gefühl, das sagt: noch nicht, nicht jetzt, vielleicht später wenn du dich bereit fühlst.

Aber dieses Gefühl der Bereitschaft? Das kommt meistens nicht einfach so. Du wachst nicht irgendwann morgens auf und hast plötzlich keine Angst mehr vor dem nächsten Schritt. So funktioniert das halt nicht.

Angst vor dem Unbekannten ist tief in uns verankert. Sie hat unsere Vorfahren am Leben erhalten, als echte Gefahren real und unmittelbar waren. Aber die meisten Dinge, vor denen wir uns heute fürchten, sind keine Säbelzahntiger. Es sind unangenehme Gespräche, die Möglichkeit zu scheitern und die Unsicherheit, nicht zu wissen wie es ausgeht. Das ist ziemlich sicher unangenehm aber selten wirklich lebensbedrohlich.

Was Angst vor beruflicher Veränderung meistens signalisiert: dass dir etwas wirklich wichtig ist. Dass du dich um das Ergebnis sorgst. Dass das hier keine abstrakte Idee ist, mit der du nur so spielst sondern etwas, das du ehrlich gesagt wirklich willst. Das ist eigentlich eine ziemlich gute Nachricht.

Das Ziel ist nicht, die Angst loszuwerden. Das Ziel ist, aufzuhören, sie alle Entscheidungen treffen zu lassen. Und sie da sein zu lassen und trotzdem ins Handeln zu kommen.

„Spüre die Angst und tu es trotzdem!“ - Susan Jeffers

Der Schritt ins Unbekannte und was Hape Kerkeling darüber weiß

Unsicherheit fühlt sich so lähmend an, weil sie Kontrollverlust bedeutet. Solange du in deinem Job bleibst auch wenn er dich frustriert, weißt du, was kommt. Du kennst die Abläufe, die Prozesse und weißt, was dich erwartet. Dieses Wissen, so trügerisch es auch sein mag, gibt Sicherheit.

Einen Schritt ins Unbekannte zu wagen bedeutet, das vorübergehend aufzugeben. Und unser Gehirn denkt nicht in "vorübergehend" sondern es denkt in Worst-Case-Szenarien.

Hape Kerkeling, einer der bekanntesten deutschen Entertainer, jahrzehntelang auf den großen Bühnen des Landes bricht 2001 auf offener Bühne zusammen. Burnout. Sein Körper machte schlicht nicht mehr mit. Der Arzt verordnete ihm das, was er am wenigsten konnte: aufhören.

Was er dann tat: Er packte einen Rucksack - einen viel zu schweren, wie er später schrieb - und pilgerte 800 Kilometer allein auf dem Jakobsweg durch Spanien. Ohne Plan, ohne Ahnung, was danach kommt. Er wusste nur, dass er so nicht weitermachen konnte.

Das Buch, das er darüber schrieb, stand 100 Wochen auf Platz 1 der Bestsellerliste und wurde über vier Millionen Mal verkauft. Aber das Interessante an seiner Geschichte ist nicht der Bucherfolg. Es ist der Moment davor. Der Moment, in dem er einfach losging und sich auf den Weg ( im wahrsten Sinne des Wortes) gemacht hat.

“Wenn du fliegen willst, musst du die Sachen loslassen, die dich runterziehen.” - Toni Morrison

Berufliche Neuorientierung ohne Masterplan

Das größte Hindernis auf dem Weg zu einem Neuanfang ist nicht die fehlende Idee, nicht die fehlende Zeit.
( Wobei das “ Ich habe keine Zeit “ gerne aus Ausrede benutzt wird, wie dieser Artikel erläutert). Es ist der Satz, den man sich selbst immer wieder erzählt: Ich weiß ja noch nicht mal, was ich will. Also kann ich auch noch nicht anfangen.

Sehr bequem, diese Logik. Weil sie einen wunderbar davon befreit, irgendetwas tun zu müssen.

Gehörst du auch zu denjenigen, die nach dem Abi gleich die Ausbildung oder das Studium zügig durchgezogen haben. Eine Auszeit, erstmal ins Ausland kam nicht in Frage. Du wolltest schnell Geld verdienen, vorankommen. Und hast immer ohne Pause einfach weiter deine Karriere vorangetrieben.

Und dann, irgendwann in einem dieser stillen Momente – im Auto, unter der Dusche, kurz vor dem Einschlafen - kommt diese Frage: Was wäre, wenn ich nochmal einen ganz anderen Weg einschlage? Vielleicht hast du damals keinen Studienplatz für das bekommen, was du eigentlich machen wolltest. Oder du hast es dir nicht zugetraut. Dieser Gedanke geht einfach nicht weg.

Aber dann denkst du ihn zu Ende und es macht dir eine Heidenangst. Denn bisher lief alles nach Plan. Du hattest Sicherheit, deine Rolle, deinen Weg. Und jetzt plötzlich keinen Plan zu haben, nicht zu wissen wie es weitergeht, das fühlt sich fast wie Versagen an.

Stefan Raab war Metzgermeister. Dann fünf Semester Jura. Dann Musikproduzent, Moderator, Entertainer und einer der kreativsten Köpfe, die das deutsche Fernsehen je hatte. Kein Mensch hätte das vorhergesagt, er selbst wahrscheinlich am allerwenigsten. Und er ist seinen Weg gegangen. Man kann sein Leben nicht komplett durchplanen. Man kann sich aber auf den Weg machen. In seinem Tempo.

Du weißt vielleicht gerade nicht, was du willst. Das ist wirklich okay. Aber du weißt sehr wahrscheinlich bereits, was du nicht mehr willst. Und das ist kein schlechter Anfang. Das ist schon richtig gut.

"Es ist nie zu spät, der zu sein, der du hättest sein können." – George Eliot

Den ersten Schritt zur beruflichen Veränderung wagen ohne dass alles sofort klar sein muss

Weißt du, was das Mutigste ist, das du gerade tun kannst? Zuzugeben: Ich bin unglücklich. Ich weiß nicht, wie es weitergehen soll. Und das ist okay. Und dann zu entscheiden, etwas zu verändern.

Solange du so tust als ob – als ob es passt, als ob du dich damit abgefunden hast – passiert nichts. Die Unzufriedenheit wird nicht leiser. Sie wird lauter. Bis sie sich irgendwann körperlich meldet: als Erschöpfung, als Schlafprobleme, als dieses dumpfe Gefühl, das morgens einfach da ist und sich nicht benennen lässt.

Veränderung braucht keine perfekte Ausgangssituation. Sie braucht einen einzigen ehrlichen Moment und dann einen ersten Schritt. Nicht zehn. Einen.

Die längste Reise beginnt mit dem ersten Schritt.‘“ - Laotse

Manchmal ist dieser erste Schritt ein Gespräch. Mit jemandem, der zuhört. Der nicht sofort Lösungen verteilt. Der mit dir gemeinsam schaut, was wirklich in dir steckt jenseits von Jobtitel, Gehalt und dem, was andere von dir erwarten.

"Es sind nicht die äußeren Umstände, die das Leben verändern, sondern die inneren Veränderungen, die sich im Leben äußern." - Wilma Thomalla

Du bist nicht zu alt. Wenn du das denkst, dann lies gerne hier inspirierende Beispiele, die das Gegenteil beweisen. Du bist nicht zu spät dran. Das ist einer von vielen hartnäckigen Mythen, wenn du denkst, du hast deine Chance verpasst.

Wenn du magst, reden wir

Ich biete ein kostenloses Erstgespräch an für Menschen, die wissen dass sich etwas ändern muss, aber noch nicht wissen wie und wohin. Wir schauen gemeinsam, wo du gerade stehst und was vielleicht möglich wäre. Du musst das nicht alleine herausfinden. Du kannst dir Unterstützung holen.

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Bin ich in einer Midlife Crisis?