Bin ich in einer Midlife Crisis?

 
 

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Vielleicht liegst du abends im Bett und liest gedankenverloren etwas auf deinem Handy, obwohl du eigentlich schlafen wolltest. Oder vielleicht ist es morgens beim Kaffee, bevor der Tag losgeht oder auf dem Weg zur Arbeit, wo du aus dem Fenster schaust und dich fragst, ob die anderen das auch kennen. Dieses Gefühl, das sich seit einer Weile eingenistet hat und partout nicht verschwinden will, egal wie beschäftigt du dich hältst.

Du hast einen Job, der auf dem Papier Eindruck macht. Vielleicht sogar einen, um den andere dich beneiden und ein gutes Gehalt, Erfahrung, Verantwortung. Du hast die Kästchen abgehakt: Ausbildung ✓, Karriere ✓, Gehaltserhöhung ✓. Und trotzdem sitzt da dieses hartnäckige, schwer zu benennende Gefühl: Das hier bin nicht ich.

Es ist die Frage, die plötzlich auftaucht und nicht mehr weggeht: Kommt da jetzt noch was? Oder ist das jetzt einfach... das hier? Und dann googelst du nachts „Midlife Crisis Symptome". Und liest. Und denkst: Scheiße. Das bin ich.

Was ist eine Midlife Crisis und warum trifft sie ausgerechnet dich?

Eine Midlife Crisis ist kein Lifestyle-Problem für Leute mit zu viel Zeit. Der Schweizer Psychologe Carl Gustav Jung hat das Phänomen schon in den 1930ern beschrieben. Er nannte es die „Lebensmitte". Den Punkt, wo die erste Lebenshälfte irgendwie ausläuft und man spürt, dass es da noch etwas anderes geben müsste. Etwas, das noch nicht gelebt wurde.

Statistisch trifft es die meisten Menschen zwischen Mitte dreißig und Mitte fünfzig, Frauen oft etwas früher als Männer. Aber diese Zahlen sind ehrlich gesagt zweitrangig, wenn du gerade mittendrin steckst. Was zählt, ist das Gefühl: diese Langeweile, obwohl eigentlich alles läuft. Eine Unruhe ohne konkreten Auslöser. Dieses leise, leise Rumoren, das du eine Weile weggedrückt hast bis es irgendwann einfach nicht mehr wegzudrücken war.

So fühlt sich eine Midlife Crisis wirklich an

Vielleicht denkst du bei Midlife Crisis an rote Sportwagen oder Affären. Das ist nicht ganz falsch, aber für die meisten sieht eine Midlife Crisis völlig anders aus, und genau deshalb dauert es so lange, bis man es überhaupt erkennt.

1. Du hast alles und fühlst dich trotzdem leer

Du sitzt in einer Besprechung, schaust aus dem Fenster, fährst nach Hause und fragst dich irgendwo dazwischen, warum das hier eigentlich nichts mit dir macht. Warum du so unbeteiligt bist. Weder der Erfolg noch der neue Job noch das Haus. Du dachtest, du würdest dich freuen, wenn du es erst mal hast. Und dann hast du es und denkst: Na und.

2. Der Sonntagabend fühlt sich anders an als früher

Du merkst, wie du gereizt wirst. Schlechte Laune bekommst. Und dich müde fühlst. Die Vorstellung, morgen in die Arbeit zu gehen, frustriert dich. Täglich grüßt das Murmeltier. Die Vorstellung, dass dies jetzt im gleichen Trott die nächsten Jahre weitergeht, versetzt dich in Panik.

3. Du fragst dich zum ersten Mal wirklich: Waren das eigentlich meine Entscheidungen?

Irgendwann schaust du auf dein Leben, das von außen vielleicht sogar erfolgreich aussieht, und denkst: Wie bin ich hier gelandet? Lebe ich eigentlich wirklich mein Leben? Oder lebe ich das Leben, weil andere das so von mir erwarten?

Vielleicht hast du schon von dem Buch “ 5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen” von der australischen Palliativkrankeschwester Bronnie Ware gehört. Sie hat Sterbende jahrelang begleitet und ihr ist aufgefallen, dass die meisten Menschen nicht bereuen, was sie getan haben. Sondern, dass sie nicht ihren Träumen gefolgt sind und ehrlich zu sich waren und zu sehr auf die Erwartungen anderer gehört haben.

4. Erfolge fühlen sich bedeutungslos an

Du erreichst ein Ziel, auf das du jahrelang hingearbeitet hast und spürst nicht die Befriedigung, die du dir erhofft hattest. Es fühlt sich irgendwie bedeutungslos an. Als würdest du Kästchen abhaken, die nie wirklich deine Kästchen waren.

5. Du schaust auf deinen Besitz und kriegst die Krise

Klamotten, die du nicht trägst. Bücher, die du irgendwann mal lesen wolltest. Sportgeräte in der Ecke. Ein voller Keller mit Dingen für Projekte, die du nie angefangen hast. Und plötzlich überkommt dich dieses Gefühl, dass das alles dich irgendwie belastet und einengt. Und du willst es einfach loswerden.

6. Du hast das Gefühl, festzusitzen

Die Entscheidungen der letzten Jahre haben dich genau hierhin geführt. Vielleicht ist es ein Haus ( oder eine Wohnung) das dich an den Kredit, den Job, die Verpflichtungen bindet. Und du merkst, dass du dich nie wirklich gefragt hast, ob du das überhaupt noch willst. Diese Erkenntnis ist unbequem, weil sie bedeutet, dass du anfangen müsstest, ehrlich hinzuschauen. Puh, das ist anstrengend.

7. Die Fragen gehen einfach nicht mehr weg

War das jetzt alles? Sieht so jetzt mein Leben die nächsten Jahre aus? Kommt da noch was ? Will ich so weitermachen ? Wie will ich eigentlich leben? Nicht was wäre vernünftig, nicht was auf LinkedIn gut aussieht sondern was du wirklich willst, für die nächsten Jahre, für dich. Die Fragen tauchen auf beim Kochen, beim Autofahren, nachts, wenn du nicht einschlafen kannst. Und sie lassen sich nicht mehr wegdrücken.

Warum gerade jetzt? Wie eine Midlife Crisis wirklich entsteht

Mit Anfang zwanzig weißt du noch nicht, wer du bist. Also orientierst du dich an dem, was dir vorgelebt wird, was Eltern raten, was Freunde machen. Du schlägst eine Richtung ein, baust darauf auf, und irgendwann ist aus dieser Richtung ein ganzes Leben geworden. Mit Kredit, einem vollem Kalender, Verpflichtungen und einem Alltag, der sich von selbst dreht, auch ohne dass du noch aktiv steuerst.

Und dann, irgendwann zwischen vierzig und Mitte fünfzig, hält das Leben kurz inne. Du schaust auf das, was du aufgebaut hast und fragst dich zum ersten Mal wirklich, ob du das so gewollt hättest. Ob das deine Richtung war, oder die Richtung, die sich damals einfach angeboten hat.

Vielleicht war es das Haus, das du gekauft oder renoviert hast ( oder eine Wohnung). Du hast jahrelang darauf hingearbeitet, Urlaube gestrichen, Wochenenden geopfert, Kompromisse gemacht, die du eigentlich nicht machen wolltest. Und dann stehst du davor, der Kredit läuft und denkst: War das die letzten Jahre wert?

Oder es war die Karriere. Du hast mehr gegeben als du eigentlich wolltest, bist die Leiter hochgeklettert und hast irgendwann den ersehnten Posten, nur um zu merken, dass er dir gar nichts gibt. Und du dich fragst, ob das jetzt einfach so weitergeht bis zur Rente. Und dann wird dir schlecht.

Weil der Kopf so ist wie er ist, fängt er irgendwann an weiterzudenken. Du merkst, dass eine Veränderung auf einmal nach einem riesigen Aufwand aussieht. Und gleichzeitig merkst du: Du kannst nicht ewig warten. Wenn du deinem Leben nochmal eine andere Richtung geben willst, musst du irgendwann ( bald !) anfangen hinzuschauen. Also eigentlich jetzt. Und das erfüllt dich mit Panik. Denn eigentlich bist du müde. Und planlos. Und trotzdem ist da diese innere Unruhe und dieses innere Getriebensein, weil du weißt: Irgendwas fühlt sich falsch an. Etwas ist in Schieflage geraten.

Wenn Besitz belastet

Und dann ist da der Moment, wenn du in deinen Keller gehst, in deinen vollen Kleiderschrank schaust und die Krise bekommst. Weil da einfach so viel Zeug überall ist. All die Sachen, die du die letzten Jahre angesammelt und angehäuft hast. Du schaust dich um in deiner Wohnung ( oder in deinem Haus), und merkst: Es stresst dich. Und wenn du anfängst auszusortieren und auszumisten, bist du überfordert.

Und du fragst dich: Wie ist dieses ganze Zeug in meine Wohnung oder mein Haus gekommen? Was soll ich damit? Denn um dieses ganze Zeug muss man sich kümmern. Man muss Dinge instand halten, reparieren wenn sie kaputt sind, verstauen. All diese Dinge benötigen Aufmerksamkeit und Kapazität.

Und dann willst du dich von Dingen befreien. Dinge aussortieren.

Forscher der Universität Kalifornien haben gezeigt, dass Unordnung den Cortisolspiegel erhöht, das Stresshormon, das wir eigentlich für echte Notfälle brauchen. Ein überfüllter Raum hält das Nervensystem in einer Art Daueranspannung, ohne dass man es bewusst merkt. Wer anfängt auszumisten, bemerkt oft nach kurzer Zeit, dass der Kopf ruhiger wird. Weil Raum entstanden ist, in dem man klarer denken kann. Äußere Klarheit schafft innere Klarheit, gerade dann, wenn man vor einer Veränderung steht und noch nicht genau weiß, wohin.

In der Brand Eins gab es vor einigen Jahren einen interessanten Artikel, in dem die Architektin und Designerin Henrike Stefanie Gänß genau das konsequent zu Ende gedacht hat: Sie inventarisierte und fotografierte ihren gesamten Besitz. Jeden einzelnen Gegenstand. Das Ergebnis: Fast die Hälfte ihrer Dinge benutzte sie nie bis kaum. Und das, obwohl sie mit rund 2.500 Dingen deutlich unter dem europäischen Durchschnitt lag, der laut Brand Eins bei etwa 10.000 Gegenständen pro Person liegen soll. Ihr Fazit: Die Dinge hatten sich einfach um sie herum angesammelt.

Und das ist bei den meisten Menschen so. Wir sammeln Dinge an über Jahre, und unsere Wohnungen und Häuser werden voller. Unsere Computer, unsere Handys, unsere Clouds werden voller mit dem ganzen materiellen und virtuellen Zeug. Und um all das muss man sich kümmern. Und sie füllen nicht nur unsere Zuhause, sondern auch unseren Kopf.

Marie Kondo hat mit ihrer KonMari-Methode genau deshalb Millionen Menschen erreicht. Weil ihre Kernfrage so unangenehm treffend ist: Löst das hier Freude aus? Nicht „könnte ich das irgendwann brauchen" sondern macht mich das glücklich, jetzt, in diesem Moment? Wer diese Frage konsequent auf seinen Besitz anwendet, merkt schnell, dass sie sich nicht nur auf Dingen beziehen kann. Sie kann angewendet werden auf den Job, die Gewohnheiten, auf Verpflichtungen.

Noch einen Schritt weiter geht das schwedische Konzept des Döstädning. (übersetzt: Death Cleaning). Die Schwedin Margareta Magnusson hat es populär gemacht. Die Idee klingt zunächst morbide: Räum dein Leben auf, solange du noch kannst. Nicht für dich, sondern damit deine Hinterbliebenen es nicht müssen. Und fange damit spätestens mit 65 Jahren an. Aber die eigentlich interessante Frage dahinter ist eine andere: Was davon ist es wert, dass es bleibt? Was hat wirklich Bedeutung und was hat sich angesammelt, weil niemand je Nein gesagt hat? Auf das eigene Leben übertragen: Welche Kapitel dürfen jetzt zu Ende gehen? Welche Rollen und Gewohnheiten trägst du noch mit, die du loslassen darfst?

Und dann ist da noch Greg McKeowns Buch Essentialism. Im Kern geht es darum sich auf die wirklich wichtigen Dinge zu konzentrieren und diese Dinge richtig gut zu machen. Sprich: Konsequent Nein sagen zu allem, was nicht wirklich zu dir gehört, damit du ein klares Ja haben kannst für das, was es tut. Sozusagen weniger, dafür aber besser. Was alle drei Konzepte gemeinsam haben ist die Frage: Was davon bin wirklich ich und was darf ich gehen lassen?

Was jetzt hilft und was garantiert nicht

Was nicht hilft: einfach weitermachen wie bisher und hoffen, dass es sich legt. Noch mehr arbeiten, noch mehr leisten, noch mehr Kästchen abhaken.

Was hingegen tatsächlich hilft, ist unangenehmer und gleichzeitig das Wirksamste: innehalten. Sich selbst zuhören und sich damit auseinandersetzen. Innenschau betreiben. Ehrlich hinschauen. Was will ich eigentlich, jenseits von dem, was vernünftig wäre oder was andere von mir erwarten? Was passt noch zu dem Menschen, der ich heute bin und nicht zu dem, der ich vor zehn oder fünfzehn Jahren war, als ich diese Entscheidungen getroffen habe?

Das sind keine Fragen, die sich an einem Sonntagnachmittag beantworten lassen. Und sie brauchen mehr als einen Selbstoptimierungs-Podcast oder ein Buch über Morgenroutinen.

Berufliche Neuorientierung ab 40. Wenn die Midlife Crisis zur Weggabelung wird

Eine Midlife Crisis ist eine Möglichkeit genauer hinzuschauen. Auf getroffene Entscheidungen. Auf den Status Quo. Auf das Leben, welches man gerade lebt. Und manchmal wird aus diesem Hinschauen die Erkenntnis: Ich will beruflich etwas anderes. Ich weiß nur noch nicht was.

Genau da setze ich mit meinem Coaching für berufliche Neuorientierung an. Ich begleite Menschen, die beruflich feststecken und das Gefühl haben, dass es so nicht weitergehen kann, und die aber keine Ahnung haben, wohin es stattdessen gehen soll. Sie kommen mit vielen Fragezeichen, fühlen sich plan- und orientierungslos. Nach dem Coaching wissen sie mehr darüber, wer sie sind, was sie antreibt und sie haben eine konkrete Vorstellung davon, wie sie ihr Berufsleben ( und ihr Leben, den Job und Privatleben ist ja miteinander verwoben) gestalten wollen.

Mein Kunde Jan (51) stand genau an diesem Punkt. Nach dem Verlust seines Traumjobs, für den er fast zwanzig Jahre gelebt hatte, beschreibt er seine Situation so:

„Mir ging es sehr gemischt. Ich musste mir wirklich mal grundsätzlich etwas überlegen und war gleichzeitig motiviert, eine Veränderung aktiv anzugehen. Eine merkwürdige Kombination aus Angst vor der Zukunft und Freude auf all das Neue, was vielleicht jetzt nochmal ins Leben kommen könnte. Kurz gesagt war vor dem Beginn des Coachings alles ein ziemlich großes Durcheinander, über dem ein großes Fragezeichen schwebte, wie es nun weitergehen könnte.“

Inzwischen hat sich der Kunde selbstständig gemacht. Als er kürzlich alte Coaching-Unterlagen durchgesehen hat, ist ihm aufgefallen, dass er die damals angedachten Vorhaben tatsächlich umgesetzt hat. Was sich für ihn am meisten verändert hat:

„Jetzt fühle ich mich sehr viel klarer und orientierter und habe nicht nur das Gefühl, die Krise tatsächlich als Chance genutzt zu haben, sondern eine echte Transformation durchlaufen zu haben. Die Beweggründe im eigenen Antrieb zu suchen und zu identifizieren aus dem Inneren heraus, anstatt in erster Linie äußeren Ansprüchen zu entsprechen. Das hat sich am meisten geändert."

Wenn du mehr darüber lesen willst, welchen Prozess Jan und andere Kund*innen durchlaufen sind, dann findest hier Informationen zu dem Ablauf des Coachings. Was sich für sie verändert hat, habe ich in diesem Artikel erläutert.

Wenn du gerade an einem ähnlichen Punkt stehst und wenn du spürst, dass du dich neu orientieren willst, aber noch nicht weißt wohin dein Weg gehen soll, dann lass uns sprechen. Und dann und schauen wir, ob und wie ich dich begleiten kann.

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