Selbstzweifel und mangelndes Selbstvertrauen: warum sie deinen beruflichen Neustart blockieren

 
 

Ok, wenn du ganz ehrlich bist, dann geht das jetzt schon eine ganze Weile so. Du bist unzufrieden in deinem Job und ehrlich gesagt auch ziemlich unglücklich. Eigentlich würdest du gerne etwas ändern, aber du weißt nicht so recht, wie. Außerdem plagen dich Selbstzweifel.

Irgendwann in deinem Berufsleben war da mal dieser Moment, wo du einfach deine Arbeit gemacht hast. Ohne die ständige innere Stimme, die alles kommentiert. Ohne Herzklopfen vor Meetings. Ohne die Gedanken, die dich nachts um drei wachhalten, weil in drei Tagen eine Präsentation ist.

Jetzt fragst du dich manchmal, wer du damals warst. Und ob du je wieder so sein kannst.

Selbstzweifel können einen von innen auffressen. Sie sind meistens das Ergebnis von zu viel Druck, zu wenig Anerkennung und einer Arbeitswelt, die irgendwann aus dem Gleichgewicht geraten ist. Und sie blockieren nicht nur dein berufliches Ich, sie können einem wirklich das Leben schwer machen.

Was da wirklich passiert, woher das kommt, und wie du, auch wenn du gerade nicht daran glaubst, wieder Vertrauen in dich aufbaust: darum geht's hier.

Was Selbstzweifel im Berufsalltag wirklich mit dir machen

Selbstzweifel schleichen sich ein.

Irgendwann redest du in Meetings kaum noch, weil du Angst hast, eine Frage nicht beantworten zu können. Bei neuen Projekten rufst du zwar „hier", weil du Engagement zeigen willst, aber eigentlich hast du totale Angst davor. Wenn du ein Kompliment für deine Arbeit bekommst, wiegelst du schnell ab. „Ach, das war doch nicht so wild." Oder es ist dir richtig unangenehm und du wechselst das Thema.

Nach außen bist du kompetent. Vielleicht hast du sogar Lob bekommen. Von der Chefin, von Kolleginnen. Und wenn du dann für eine gute Leistung gelobt wirst, fängt innerlich genau dieser Dialog an: Haben die das wirklich so gemeint? Wollen die vielleicht nur nett sein? Und dann die Angst, dass du irgendwann auffliegen wirst. Dass alle merken, dass du eigentlich keinen Plan hast von dem, was du tust. Dass du gar nicht so kompetent bist.

Du bist in einem Meeting und weißt die Antwort auf eine Frage eigentlich. Aber du bleibst still. Schaust weiter auf den Notizblock. Manchmal hältst du die Anspannung kaum aus und gehst wieder auf die Toilette, um durchzuatmen. Aufgaben, die du früher gut hinbekommen hast, versetzen dich plötzlich in Panik. Und du zweifelst immer mehr an dir, an deinen Fähigkeiten, und traust dir immer weniger zu.

Das ist echt erschöpfend. Diese Energie, die täglich dafür draufgeht, um kompetent zu wirken, obwohl man sich innerlich überhaupt nicht so fühlt.

Woher kommen Selbstzweifel überhaupt?

Du kennst auch Zeiten, wo das nicht so war.

Du hast deine Arbeit gemacht, ohne diesen permanenten inneren Dialog, bei dem du schlecht abschneidest. Dann kam mehr Druck. Schneller musste alles gehen, effizienter, neue Aufgaben und du warst überfordert. Und irgendwann bist du nur noch geschwommen. Hast versucht, dir nichts anmerken zu lassen. Hast gelächelt, bist kompetent aufgetreten, und hast gleichzeitig innerlich immer mehr gezweifelt, weil du permanent dachtest, das schaffe ich nicht. Dann kamen Versagensängste. Aber du wolltest dir nichts anmerken lassen.

Anhaltender Druck ohne genug Anerkennung oder Ressourcen bringt Menschen dazu, der eigenen Wahrnehmung zu misstrauen. Du fühlst du dich nicht den Aufgaben gewachsen. Und dann fängst du an Beweise dafür zu suchen, dass du eben nicht gut genug bist. Beweise dafür, dass man „eigentlich" nicht in den Job gehört.

Dann passiert etwas ziemlich Paradoxes: Je mehr Angst man hat, Fehler zu machen, desto wahrscheinlicher werden sie. Nicht weil man schlechter geworden ist, sondern weil die Angst Kapazität frisst, die man eigentlich für die Arbeit selbst bräuchte.

Du malst dir aus, wie du das Projekt in den Sand setzt. Wie du deinen Job verlierst. Wie du nie wieder eine Stelle findest. Manchmal verlierst du dich richtig in diesen Gedanken.

Selbstzweifel haben einen Ursprung. Meistens liegt er in Situationen, in denen Fehler unverhältnismäßig bewertet wurden, in Umgebungen mit wenig Sicherheit, oder in einem Arbeitsklima, das irgendwann ungut wurde. Sie sind eine Reaktion auf Umstände, keine Wahrheit über deine Fähigkeiten.

Und dann ist da eigentlich der Wunsch, etwas anderes zu machen. Wirklich glücklich in deinem Job bist du schon lange nicht mehr. Aber du hast schon so viele Zweifel, und fragst dich: Wie soll das überhaupt klappen, etwas anderes zu machen, wenn du gerade denkst, du kannst eigentlich nichts?

Und dann fängst du an, dich zu vergleichen.

Warum der Vergleich mit anderen dein Selbstvertrauen sabotiert

Kaum öffnest du LinkedIn, schon scheint jeder andere mühelos Karriere zu machen. Der ehemalige Kollege befördert. Die Freundin hat einen neuen tollen Job. Und du steckst fest, in einem Job, der dich unglücklich macht, mit dem Gefühl, der einzige Mensch zu sein, bei dem das alles irgendwie nicht funktioniert.

Was wir von anderen sehen, sind die Highlights. Nicht die Mühen. Nicht die schlaflosen Nächte. Nicht die Selbstzweifel und Sorgen.

Der Sozialpsychologe Leon Festinger hat das schon in den 1950ern beschrieben, die sogenannte Social Comparison Theory. Wir ordnen uns ein, indem wir uns mit anderen vergleichen. Ja, das ist menschlich. Und in einer Welt, in der wir nur die Glanzlichter der anderen sehen, führt dieser Mechanismus dazu, dass man noch unglücklicher wird. Theodore Roosevelt wusste schon damals: «Comparison is the thief of joy.

Was wir bei den anderen nicht sehen: die Rückschläge. Die Momente, in denen auch nicht alles rund lief. Sehr viele Menschen haben Angst, nicht gut genug zu sein, aber man gibt das halt nicht gerne zu. Ganz bestimmt nicht auf LinkedIn. Und im Arbeitskontext auch nicht.

Eleanor Roosevelt hat das mal so gesagt: Niemand kann dich ohne deine Zustimmung minderwertig fühlen lassen. Ja, das klingt jetzt vielleicht etwas direkt, wenn man mittendrin ist im eigenen Selbstzweifel-Film. Aber es steckt etwas drin, das sich lohnt anzuschauen: Welchen Vergleichen gibst du gerade Raum? Und wessen Geschichte kennst du wirklich?

Frauen unterschätzen ihre eigenen Leistungen dabei übrigens häufiger, das zeigen verschiedene Studien zur beruflichen Selbstwahrnehmung. Erfolge werden öfter externen Faktoren zugeschrieben: Glück, guten Umständen, der Hilfe anderer. Das führt dazu, dass Projekte abgelehnt werden, weil man sich nicht gut genug fühlt, oder Verantwortung gemieden wird, die man längst tragen könnte.

Wenn wir uns selbst vergleichen mit anderen, dann spiegelt das nicht unbedingt die Realität wieder. Denn der Blick auf einen selbst kann manchmal schon ein ganz schön ungnädiger Blick sein.

Das Impostor-Syndrom: Wenn Erfolg sich falsch anfühlt

Es gibt einen Begriff für das Gefühl, trotz nachweisbarer Kompetenz permanent zu fürchten, aufzufliegen: Impostor-Syndrom. Und es trifft oft genau die Menschen, die eigentlich am meisten leisten.

Das Muster ist fast immer ähnlich. Du bringst Ergebnisse, bekommst Lob, und wirst innerlich misstrauisch. Haben die wirklich so gedacht? Merken die noch nicht, dass ich das eigentlich nicht so gut kann? Die Vorstellung, dass irgendjemand irgendwann hinter die Fassade schaut und sieht, wie es wirklich ist, erzeugt eine dauerhafte Anspannung.

Und deshalb bleibst du in einem Job, in dem du unglücklich bist. Weil du das Gefühl hast, du bist schon dort nicht gut genug. Wie dann der Schritt in etwas Neues? Neue Herausforderungen bedeuten neue Möglichkeiten, aufzufliegen. Also bleibst du. Auch wenn du unglücklich bist.

Also, was kann man denn jetzt bei Selbstzweifeln machen?

„Ist das wirklich wahr?": The Work von Byron Katie

Es gibt einen Ansatz, den ich hier vorstellen möchte.

Das Grundprinzip klingt fast zu simpel. Byron Katie geht davon aus, dass wir nicht unter den Dingen leiden, die passieren, sondern unter den Gedanken, die wir darüber haben. Und sie hat vier Fragen entwickelt, mit denen man diese Gedanken untersuchen kann.

Erstens: Ist das wahr?

Zweitens: Kannst du mit absoluter Sicherheit wissen, dass das wahr ist?

Drittens: Wie reagierst du, was passiert in dir, wenn du diesen Gedanken glaubst?

Und viertens: Wer wärst du ohne diesen Gedanken?

Probier das mal mit einem klassischen Selbstzweifel-Satz. Zum Beispiel: „Ich bin nicht gut genug für eine neue Stelle."

Ist das wahr? Vielleicht sagst du: Ja, fühlt sich so an. Gut. Dann die zweite Frage: Kannst du mit absoluter Sicherheit wissen, dass das wahr ist? Jetzt wird es interessant. Eigentlich nicht. Du vermutest es. Du fürchtest es. Aber wissen, wirklich wissen, kannst du das nicht.

Was passiert, wenn du diesen Gedanken glaubst? Du bewirbst dich nicht. Du bleibst in dem Job weil du dich nicht traust.

Und wer wärst du ohne diesen Gedanken? Vielleicht jemand, der eine Bewerbung schreibt. Ein Gespräch führt. Sich traut. Und vielleicht auch den Job bekommt.

Dieser Ansatz zaubert deine Selbstzweifel nicht sofort weg. Aber er schafft Abstand zwischen dir und deinen Gedanken. Und dieser Abstand ist oft der erste echte Schritt raus aus aus diesem Gefühl des Zweifelns, was einen völlig vereinnahmen kann.

Angst vor Fehlern und warum Scheitern eigentlich nicht das ist, was du denkst

Vielleicht gehörst du zu denjenigen, die gar nicht erst anfangen, weil die Angst zu versagen größer ist als die Lust aufs Ausprobieren. Du malst dir das Worst-Case-Szenario aus. Was alles schiefgehen könnte. Wie du dich blamierst. Wie andere reagieren.

Hast du dich schonmal gefragt, was “Scheitern” eigentlich ist oder wie du das definierst? Mal angenommen, Du bekommst eine Jobabsage und haderst damit. Klar tut das weh. Und gleichzeitig steckt da etwas drin, eine Information, eine Erfahrung, ein Hinweis, wo du beim nächsten Mal deine Stärken noch besser zeigen kannst. Und weil es nicht geklappt hat, bleibt der Platz frei für etwas, das vielleicht viel besser zu dir passt.

Thomas Edison hat das so formuliert: Er habe nicht versagt, er habe nur zehntausend Wege gefunden, die nicht funktionieren. Finde ich eine sehr gute Perspektive. Und Henry Ford ergänzte: Scheitern ist die Gelegenheit, neu anzufangen. Klingt jetzt nach einem Kalenderspruch, ich weiß. Aber dahinter steckt nämlich dass jede Erfahrung, auch die unangenehme, dich weiterbringt. Dass nichts verloren ist, solange du daraus lernst.

Perfektionismus: die bequeme Ausrede

Kommen wir jetzt zu einem anderen Thema, das eng mit Selbstzweifeln zusammenhängt: Perfektionismus.

Der stille Grund dafür, dass viele Bewerbungen nie abgeschickt werden. Dass Projekte ewig in der Schublade liegen. Dass man wartet, wartet, wartet, bis alles zu hundert Prozent stimmt. Und eben doch nicht handelt.

Weil man sich selbst sagt: Es ist noch nicht perfekt.

Was erstmal vernünftig klingt, kann sich bei genauerem Hinschauen als richtig gute Ausrede entpuppen. Eine, mit der man sich selbst belügt. Ist ja auch irgendwie bequemer zu sagen: „Ich muss nochmal über die Bewerbung gehen, bevor ich sie losschicke, sie ist noch nicht fertig." Oder ich kann die Präsentation noch nicht abgeben, weil sie noch nicht perfekt ist. Auch wenn es das zwanzigste Mal ist. Denn so kannst du schön in deiner Komfortzone bleiben. Und dich selbst weiter austricksen.

Vielleicht hast du Angst dich zu zeigen. Ablehnung zu erfahren. Kritik zu bekommen. Hier kommt das große Aber:

Dieses Gefühl, wirklich bereit zu sein, kommt meistens nicht. Du wirst nie perfekt vorbereitet sein. Und wenn du erst anfängst, wenn du dich bereit fühlst, kannst du lange warten.

„Better done than perfect" kann als echte Ermutigung dienen, seinen Perfektionismus mit mehr Leichtigkeit und Humor zu begegnen. Und nicht zu verdammt hohe Ansprüche an sich zu haben. Und einfach mal zu machen.

Falls du die sogenannte 80-20-Regel noch nicht kennst: Mit etwa zwanzig Prozent des Aufwands erreichst du oft schon achtzig Prozent des Ergebnisses. Fang an. Du kannst später immer noch nachjustieren.

Wie du deine Stärken erkennst und anfängst, dir mehr zuzutrauen

Oft siehst du deine eigenen Stärken nicht, weil du sie für selbstverständlich hältst. Oder weil sie dir schlicht nicht bewusst sind. Oder weil dein innerer Kritiker dir schon so lange erzählt, dass es nicht reicht, dass du ihm fast schon glaubst.

Wenn ich dich jetzt fragen würde: Nenn mir fünf Dinge, die du in der Arbeit nicht gut gemacht hast, wie schnell fiele dir da etwas ein? Und wenn ich frage: Nenn mir fünf Dinge, die du wirklich gut gemacht hast, was würde dir dann einfallen? Und vor allem wie schnell?

Die meisten Menschen mit starken Selbstzweifeln haben die erste Liste sofort parat. Die zweite fällt schwer. Viel schwerer als sie sollte.

Dagegen hilft, Gegenbeweise zu sammeln. Schreib jeden Tag drei Dinge auf, die du gut gemacht hast. Guck am Ende der Woche drauf, was du geleistet hast. Und wenn du mal wieder tief im Selbstzweifel abdriftest, hast du etwas, worauf du schauen kannst. Damit du beim nächsten Anfall auf deine „ich hab das eigentlich ganz gut gemacht"-Liste schauen kannst.

Beruflicher Neustart trotz Selbstzweifel: warum trotzdem jetzt

Du steckst in einem Job fest, der dich unglücklich macht. Gleichzeitig hast du das Gefühl, du kannst nicht wechseln, du bist ja nicht mal gut genug für das, was du jetzt machst. Also wie soll das mit etwas Neuem klappen?

Ja, ein beruflicher Neustart ist anstrengend. Er bringt Unsicherheit. Aber du musst nicht erst alle Selbstzweifel aufgelöst haben, bevor du anfängst. Selbstvertrauen entsteht nicht im Stillen, es entsteht durch Handlung. Durch kleine Schritte, die dir zeigen, dass du mehr kannst, als der innere Kritiker dir erzählt.

Wer wirklich etwas verändern möchte, findet Wege. Wer nicht etwas verändern möchte, findet Ausreden. Ok, das ist jetzt wahrscheinlich etwas direkt.

Eine Frage zum Schluss

Was genau hält dich gerade zurück dich beruflich zu verändern, und welchen Teil davon hast du vielleicht schon länger für eine Wahrheit gehalten, die eigentlich nur ein Gedanke ist?

Ich weiß, dass sich Selbstzweifel ganz schön real anfühlen. Aber sie sind Gedankenmuster. Und Muster können sich verändern.

Wenn du jemanden an deiner Seite brauchst, der dich bestärkt und ermutigt, buch dir gerne ein Kennenlerngespräch. Dann schauen wir gemeinsam, ob wir ein Stück des Weges miteinander gehen können.

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